Reiselust der Deutschen ist 2007 nicht zu bremsen
Urlaub bleibt die populärste Form von Glück
Der kommenden Reisesaison sehen die Deutschen geradezu optimistisch entgegen: 4.000 Personen ab 14 Jahren wurden repräsentativ im gesamten Bundesgebiet nach ihrem Urlaubsverhalten 2006 und ihren Reiseabsichten für 2007 gefragt. Das Befragungsergebnis überrascht: Es herrscht eine außergewöhnlich positive Urlaubsstimmung vor. Die Deutschen gehen optimistisch ins Reisejahr 2007, offensichtlich wächst das Vertrauen der Verbraucher in die nahe Zukunft wieder. Fast drei Viertel der Bevölkerung (71%) wollen 2007 verreisen. Ein Jahr zuvor hatten nur 68 Prozent feste Reiseabsichten. Dies geht aus der 23. Tourismusanalyse des BAT Freizeit-Forschungsinstituts hervor.
"Die Reisebranche meldet sich wieder als Wachstumsbranche zurück", so Prof. Dr. Horst W. Opaschowski, der Wissenschaftliche Leiter des Instituts. "Touristen haben ein chronisches Kurzzeitgedächtnis. Einmalereignisse und Naturkatastrophen sind schnell vergessen. Urlaub bleibt die populärste Form von Glück."
Inlandsreisen erobern Marktanteile zurück
Immer mehr Bundesbürger machen Urlaub im eigenen Land. Das liebste Urlaubsland der Deutschen heißt Deutschland - mit steigender Tendenz: Im letzten Jahrzehnt hatte der Inlandsurlaub permanent an Marktanteilen verloren (1996: 41% - 2005: 32%). Im vergangenen Jahr haben Inlandsreisen erstmals wieder an Attraktivität gewonnen und Marktanteile zurückerobert (+ 2 Prozentpunkte). "Die deutschen Ferienregionen müssen die ausländische Konkurrenz weniger fürchten", so Professor Opaschowski. "Und gegen die Faszination von Wärme, Ferne und Weite setzt der Deutschlandtourismus die Vielfalt von Natur, Kultur und Kulinarik." Vielleicht hat auch die Fußball-WM-Euphorie im Sommer 2006 das Reiseland Deutschland aufgewertet und den Inlandstourismus belebt. Vor allem bei Zweit- und Drittreisen neigen die Deutschen dazu, das eigene Land als Urlaubsziel zu wählen. Dafür spricht auch, dass der Anteil der Mehrfachreisenden im vergangenen Jahr gestiegen ist (2005: 40,4% - 2006: 43,3%).
Inlandsreiseziele 2006.
Bayern und Ostsee: Die Sieger der Saison
Im inländischen Wettbewerb gibt es zwei eindeutige Sieger - im doppelten Sinn: Sie sind einmal die beliebtesten deutschen Ferienregionen. Und sie weisen zugleich die höchsten Zuwachsraten auf. Die Sieger der Saison 2006 heißen Bayern (7,7%) und Ostsee (7,4%). Erst mit größerem Abstand folgen die Urlaubsgebiete an der Nordsee (4,9%) sowie die baden-württembergischen Ferienregionen im Schwarzwald und am Bodensee (3,1%).
Nordseeküste und Nordseeinseln bekommen die Konkurrenz der Ostsee-Ferienanbieter in Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein immer mehr zu spüren. Andererseits bleiben die Gäste an der Nordsee im Durchschnitt länger (11,7 Tage) als in den übrigen deutschen Feriengebieten (z.B. Bayern und Ostsee: je 10,8 Tage). Hier können die Wellen in den nächsten Jahren noch höher schlagen. Opaschowski: "Das Interesse der deutschen Urlauber verlagert sich zunehmend auf die beiden Kontrastangebote Meer und Berge. Alle übrigen innerdeutschen Feriengebiete haben Schwierigkeiten, ihr Eigenprofil zu demonstrieren." Urlaub ist immer auch Kontrast und Gegenwelt zum urbanen Alltag. Das Kontrasterleben und der Wunsch nach Tapetenwechsel zählen zu den wichtigsten Antriebskräften für das Reisen.“
Urlaubformen der Zukunft.
Urlauber schwimmen auf der Wohlfühlwelle:
Mehr Wellness- als Cluburlaub
Wie in der gesamten Wirtschaft wird auch die Reisebranche mit einem Anspruchswandel der Verbraucher konfrontiert. Während der klassische Strand- und Skitourismus um seine Stammurlauber kämpfen muss, ist der Urlaub mit Gesundheits-, Wellness-, Sport- und Kulturangeboten zunehmend gefragt: Die Reisenden wollen in wenigen Tagen möglichst viel erleben und genießen. Gefragt sind kulturelle und kulinarische Attraktionen. Auch der Gesundheitstourismus befindet sich im Aufwind – von asiatischen Behandlungsmethoden über Thalasso-Therapien bis hin zum Gesundheitstraining.
Das BAT Institut ging daher in seiner Tourismusanalyse auch einmal der Frage nach, für welche Urlaubsformen sich die Bundesbürger in Zukunft besonders interessieren. Wo geht die Reise in den Wunschvorstellungen der Deutschen hin? Ganz obenan in der Wunschliste steht der Erholungs- und Wellnessurlaub (69%) in seiner entspannten Form. Fast jeder zweite Bundesbürger (45%) nennt aber auch den „Medical-Wellness-Urlaub“ mit gesundheitsorientiertem und präventivmedizinischem Charakter. Professor Opaschowski: „Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und einer alternden Bevölkerung wird der Gesundheitstourismus zum touristischen Megamarkt der Zukunft. Immer mehr Bundesbürger wollen auch im Urlaub auf der Wohlfühlwelle schwimmen und etwas für die eigene Gesundheit tun – auf die angenehme Art ohne Ge- und Verbote.“ In Zukunft wird die persönliche Gesundheitsvorsorge genauso wichtig wie die staatliche Gesundheitsversorgung sein.
Mit der Gesundheitsorientierung im Urlaub unmittelbar verbunden ist das Interesse am Berg- und Wandertourismus (38%) sowie Fahrradtourismus (30%). Im Urlaub der Zukunft spiegelt sich eine Vielfalt von Reiseformen wider, wie sie in früheren Jahrzehnten kaum möglich war. Einzelne Bevölkerungsgruppen setzen dabei aber ganz unterschiedliche Schwerpunkte:
Jugendliche können sich im Vergleich zu allen anderen Bevölkerungsgruppen am meisten für den Club- und Abenteuerurlaub begeistern.
Junge Erwachsene im Alter von 18 bis 24 Jahren sind an Städtereisen, Studien- und Bildungsreisen und auch am Campingurlaub besonders interessiert.
Familien sind unter den Anhängern des Fahrradtourismus am meisten vertreten.
Und die 50plus-Generation weiß schließlich den Berg- und Wandertourismus besonders zu schätzen.
Opaschowski: „So zeigt der Urlaub der Zukunft zwei Gesichter: Alle können sich im Urlaub wie Individualisten fühlen. Und niemand muss mehr zur gleichen Zeit am gleichen Ort das Gleiche tun.“ Im Urlaub der Zukunft kann jeder seine eigenen Wege gehen.
Quelle: BAT Freizeit-Forschungsinstitut
